eat drink art thought
verlängert bis 10.01.2020
Reinhold Adt / Sonja Alhäuser / Ulrike Flaig / Rade Petrasevic / Hank Schmidt in der Beek / Ties Ten Bosch / Alex Tennigkeit / Julian Turner / Marcus Weber
 

Aufgrund der von der Bundesregierung erlassenen Corona-Verordnung ist der Kunstverein bis auf Weiteres geschlossen.

20.09.2020 bis 22.11.2020.
Verlängert bis 10.01.2021

Die Ausstellung EAT DRINK ART THOUGHT zeigt Arbeiten von neun internationalen Künstlerinnen und Künstlern und lenkt ihren Blick darauf, wie die Themen Essen, Ernährung und andere ökologische Wechselbeziehungen in der Gegenwartskunst ihren Widerhall finden und vieldeutig reflektiert werden.

Einladungs-Flyer        

Bezugspunkt der Ausstellung ist die Pop Art, die in den 1950/60er Jahren mit Motiven aus der Konsumkultur und Werbeästhetik einem modernen Lifestyle Ausdruck verlieh. Der industrialisierte Massenkonsum fand allerdings bald auch Widerspruch. 1971 setzte dem Gordon Matta-Clark mit seinem New Yorker Restaurant „Food“ das Konzept einer experimentellen, saisonalen, sozialen Küche entgegen.

In Düsseldorf hatte der Schweizer Künstler Daniel Spoerri bereits 1968 eine Eat-Art Edition gegründet sowie ein Restaurant eröffnet, dem 1970 die Eat-Art Gallery folgte und mit seinen „Fallenbildern” und Banketten den Akt des Essens zum künstlerischen Programm schlechthin etabliert. Damit war das Thema in der jüngeren Kunstgeschichte fest installiert.

Doch die Geschichte beginnt keineswegs erst im 20. Jahrhundert. Die Darstellung des Ess- und Trinkbaren ist untrennbar mit Kulturfragen der Menschheit verbunden und begleitet uns seit frühester Zeit. Einen Höhenflug hatte das Sujet im barocken Stillleben, das neben seiner beliebten Symbolik als Vanitas-Bild die sinnliche Aufgabe hatte, den Appetit des Betrachtenden anzuregen.

Egal in welche Epoche wir schauen, macht das Thema dabei nie beim Lifestyle halt. Angesichts seiner poltitischen und sozialen Zusammenhänge und all seiner Komponenten von Herstellung über Vermarktung bis zu Zubereitung und Verzehr sowie in seiner Bedeutung für Spiritualität oder die eigene Identität, hat der französische Soziologe Marcel Mauss das Thema Essen zu Recht als „soziales Totalphänomen“ bezeichnet.

Auch die Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung entziehen sich dem nicht und zeigen die Kontinuität des Themas unter ganz unterschiedlichen Aspekten.

Alex Tennigkeit und Rade Petrasevic beleben sinnlich und doch grundverschieden das Genre des Stilllebens aufs Neue. Petrasevic‘ in lockerem, poppigem Stil gehaltene Bilder, die wie stille Reverenzen an Matisse und Hockney wirken, verbergen ihren starken erotischen Subtext kaum. Tennigkeit kombiniert in ihren fantastischen Kompositionen barocke Anleihen mit horrormäßigen Szenarien, die Assoziationen von Kannibalismus bis zum ökologischen Sündenfall erlauben.

Diesen inszeniert Marcus Weber in seinen Kompositbildern, die zugleich tiefgründige Gesellschaftstableaus sind, auf den ersten Blick um einiges smarter. Doch die bunte Konsum- und Warenwelt erscheint am Ende sinnentleert und die comichaften Fahrradkuriere von Deliveroo als Lieferhelden in Scharen durchpflügen gleichsam einen doppelten sozialen Boden. Eine Kehrseite des allzeit Verfügbaren, Bestellbaren und Haltbaren führt uns auch Ties Ten Bosch in seinen Säulen aus gesammeltem Verpackungsmüll vor, der damit ein Grundsatzproblem unserer heutigen Welt thematisiert und nebenbei spielerisch mit den Kompressionen aus Abfall und Alltagsgütern des Neuen Realismus in den 1960er Jahren dialogisiert. Julian Turner hingegen konfrontiert uns mit einer modellhaften Landschaft aus Lebens-mitteln. Material wie Inhalt haben einen Bezug zur Lebens(um)welt des Künstlers, der in Wien lebt und mit „Schön im Öl“ erkennbar die Ölraffinerie Schwechat bei Wien nachbildet, die zugleich als Statthalter für politische, ökologische und ökonomische Zusammenhänge fungiert.

Ulrike Flaig wählt das Medium des Dokumentarfilms. Ihre experimentelle Ess-Performance handelt von der Wirkung von Schokolade auf das menschliche Verhalten und knüpft damit an unsere ur- eigenen Erfahrungen und Glaubenssätze an. Der Verführungskraft dieses Lebensmittels ist es wohl zu verdanken, dass es häufiger als andere auftaucht. Die fragliche Seite des Versüßens kleidet der Konzeptkünstler Reinhold Adt in die Wortschöpfung Nutellisierung – ein Vorgang, der alles bekömmlich macht, selbst wenn es das eigentlich nicht ist. Auch Hank Schmidt in der Beek bezieht sich auf eine Marke und ein Genussmittel, das die meisten kennen und wiedererkennen. Allein beim Dreiklang der Farben stellt sich der Geschmack des Fürst Pückler Eisklassiker ein und macht das zugleich zitierte kunsthistorische Bildprogramm in der Tat auf ganz neue, humorvolle Weise schmackhaft. Mächtig erscheint die süße Lust nochmals bei Sonja Alhäuser. Dem immerwährenden Zyklus von Werden und Vergehen verleiht sie ein eindringliches Bild in Form eines Schokoladenbads, in das eine weibliche Figurine immer wieder eintaucht, um sogleich wiederzukehren. Der Duft der Süße und der weiche Aggregatzustand machen das Werk zu einer überaus sinnlichen Metapher für Vanitas und Eros.

Ausstellende Künstler*innen: Reinhold Adt / Sonja Alhäuser / Ulrike Flaig / Rade Petrasevic / Hank Schmidt in der Beek / Ties Ten Bosch / Alex Tennigkeit / Julian Turner / Marcus Weber

Kuratiert von Sonja Klee

Begleitprogramm

Abendführungen mittwochs, 18 Uhr, am 23.9. und 14.10.2020

Finissage und Künstlergespräch mit Sonja Alhäuser am 22.11.2020

In Kooperation

Kino Hall zeigt im Convino & Gloria ausgewählte „kulinarische“ Filme.
Termine werden gesondert veröffentlicht.
Radio StHörfunk „Die Kunst-Pause“ mit Ralf Snurawa mittwochs alle 14 Tage beginnend am 16.9.2020, jeweils 16 bis 17 Uhr, mit Interviews und Wissenswertem zur Ausstellung. Die erste Sendung ist nach der Ausstellung außerdem im „StHörfleck“ am Montag, 21.9.2020, 16 bis 17 Uhr noch einmal zu hören und danach eine Woche lang täglich zu verschiedenen Uhrzeiten.
Themenwoche mit Jonas Taxis, Seel Wankmüller sowie Miro Ruff zu „Alles rund ums Essen“ im Mittagsmagazin „StHörmelder“ vom 21. bis 25.9.2020, jeweils 12 Uhr.
Außerdem wird es in der Musiksendung „Tea for Two“ am Mittwoch, 23.9. und 7.10.2020 zwischen 18 und 20 Uhr rein musikalisch ums Essen gehen.


Kunstwochenende am 17./18. Oktober 2020


Wir danken unseren Förderern und Kooperationspartnern

Ritter Sport

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall

Kino Hall

Radio StHörfunk

kunstverein raum1Der Verein

Unser Ziel ist die Förderung von Kunst und Kultur, dabei insbesondere die Vermittlung der bildenden Kunst der Gegenwart. Progressive Ausstellungen mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern ermöglichen inspirierende Erfahrungen in historischen Räumen. Gespräche, Vorträge und diverse Veranstaltungen runden das Ausstellungsprogramm ab und ermöglichen Begegnung und Austausch im persönlichen Rahmen.

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